Schlagwort: Negerkunst

aus dem Kunstmuseum Hamburg

Mehr und mehr beginnt sich erfreulicherweise in neuerer Zeit die Kunst auf unsere Kolonien zu werfen und für ihren Teil an der Verbreitung kolonialen Wissens und Verständnisses mitzuarbeiten. Zu den beiden „älteren“ Kolonialmalern Kuhnert und Uellgrewe haben sich in den letzten Jahren ein paar jüngere Künstler gesellt und teilweise recht gute Arbeiten geliefert. Zwei von ihnen, Heims und Mayer, sind schon in Nr. 26 des verflossenen Jahrgangs eingehend gewürdigt worden.

Der jüngste — nicht an Jahren, sondern was seinen Namen als Kolonialspezialist anbelangt — ist Ernst Vollbehr, der neulich gelegentlich des Deutschen Kolonialkongresses mit einer Ausstellung seiner Arbeiten an die Oeffentlichkeit getreten ist. Im Obergeschoss des Reichstages, wo bekanntlich der Kongress tagte, oberhalb der Wandelhalle, deckten eine grosse Anzahl von fertig ausgearbeiteten Gemälden, Skizzen und Studien die Wände.

Vollbehr hat unsere vier afrikanischen Kolonien, Ostafrika, Togo, Kamerun, Südwestafrika, bereist und von dort reiches Material mitgebracht. In Ost- und Südwestafrika ist er tiefer ins Land hineingegangen, während in Togo und Kamerun sich seine Studien auf die Küste beschränken. Man merkt das bald, wenn man sich in seine Arbeiten vertieft. Er hat die Stimmung der Landschaft in den beiden ersteren Kolonien viel tiefer erfasst, als die von Kamerun und Togo. Es fehlt ihm von diesen beiden Kolonien offenbar die allgemeine Uebersicht, und seine von hier mitgebrachten Studien muten ein wenig schablonenhaft an. Nur ein Blick auf Viktoria gibt die Landschaftsstimmung am Fuss des Kamerungebirges trefflich wieder, und aus Togo gewährt sein Bild des Marktes in Lome ein lebensvolles Bild. Es will uns aber scheinen, als ob die Frauengestalten mit ihren gewaltigen Hüten (gegen die die Hüte unserer Damen klein erscheinen) allzu europäische Formen aufweisen.

Die Negerin verfügt im allgemeinen nicht über eine so fein gebaute Gestalt, mit welcher der Künstler die Ewe-Marktdamen von Lome darstellt.

Umso prächtiger und lebensvoller sind Vollbehrs Bilder aus Südwest, nur schade, dass sie teilweise allzu skizzenhaft sind und dem Nichtkenner kaum die Möglichkeit der Orientierung geben. Dies gilt namentlich für ein Bild von Windhuk. Gerade Windhuk mit dem massigen Hintergrund des Auasgebirgcs ist ein Motiv, das den Künstler reizen muss. Umso wirkungsvoller ist ein Blick auf das Erongogebirge. Dieses Bild ist schärfer ausgearbeitet und lässt uns den gewaltigen Eindruck jenes wilden Gebiresstockes voll empfinden. Noch imposanter wirkt ein Blick auf den südlichen Teil des Erongogebirges in Morgenstimmung.

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Kolonie und Heimat