Schlagwort: Deutschland

Kolonie und Heimat

aus dem Kunstmuseum Hamburg

Grenzstreitigkeiten und Kap-Kairo-Bahn.

Der geheimnisvolle Schleier, der über den Vorgängen am Kiwusee lieg, ist immer noch nicht gelüftet. Man kann nicht gerade sagen, dass es ein erhebendes Schauspiel ist, wie die öffentliche Meinung in dieser Angelegenheit, die sie doch schliesslich auch etwas angeht, aufs Munkeln angewiesen ist. Wozu die Heimlichtuerei gut sein soll, ist eigentlich unerfindlich, sie weckt und nährt höchstens das Misstrauen, das seit dem Zanzibarvertrag unseligen Angedenkens uns nun einmal noch in den Gliedern steckt. Und die Meldungen der „Deutsch-ostafrikanischen Zeitung“ haben diesem Misstrauen erst recht Nahrung gegeben. Nach den von dieser Zeitung hartnäckig festgehaltenen Mitteilungen soll bereits ein deutsch – englischer Vertrag vorliegen, wonach wir den Engländern einen Teil der Landschaft Mpororo überlassen und ausserdem einen Streifen Landes, der es ihnen ermöglicht, die Kap-Kairo-Bahn ganz auf englischem Boden durchzuführen und so die absolute englische Vorherrschaft in Afrika auf alle Zeiten zu begründen. Es soll nach Angabe der erwähnten Zeitung bereits ein fertiger Vertrag beim englischen Gouvernement in Nairobi liegen. Diese Mitteilungen sind so ungeheuerlich, dass man sich sträubt, ihnen Glauben zu schenken. Die offiziöse „Köln.Ztg.“ behauptete denn auch neulich auf Grund von Meldungen aus London, dass in allernächster Zeit zwischen Deutschland, England und Belgien in Brüssel über die Besitzverhältnisse in der Gegend von Ruanda Besprechungen eröffnet werden. Ueber weiter gehende, auf die allgemeine Kongo-Politik bezügliche Abmachungen zwischen Deutschland und England sei nichts bekannt.

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Kolonie und Heimat

aus dem Kunstmuseum Hamburg


Mancher Leser wird darüber lächeln, wenn wir ihm erzählen, dass es jetzt in Deutschland eine Straussenfarm gibt, so gut wie in Afrika. Aber sie lässt sich nicht wegleugnen. Mittelbar kann man sie wohl als eine Frucht unsrer kolonialen Bewegung bezeichnen. die seit einigen Jahren erst die wirtschaftliche Seite, die Nutzbarmachung der mannigfachen natürlichen Werte, mehr betont Und da auch die Straussenherden, die in den afrikanischen Kolonien die weiten Steppen beleben oder vielmehr belebten, zu diesen Werten gehören, so sprach man in letzter Zeit viel von der rationellen Straussenzucht. Einerseits in der wägung, dass die Jagd trotz aller bote schliesslich mit den eigenartigen und wertvollen Tieren aufräumt würde, anderseits, dass sich durch rationelle Hochzucht die Produktion und der Wert der Federn steige liesse. „Das kann ich auch“, dachte wohl Herr Hagenbeck in Hamburg. Wer kennt nicht Herrn Hagenbeck, der vor Zeiten mit seinen fremd ländischen Tieren die Welt bereiste dessen Name schon bei uns als Kindern einen guten Klang hatte. Also Herr Hagenbeck, der sich mittlerweile auf rationelle Zucht und Tierfang im grossen geworfen hat und dessen Tierpark in Stellingen bei Hamburg eine Sehenswürdigkeit ersten Ranges bildet, richtete vor einem halben Jahr eine Straussenfarm ein. Er ging auf Grund langjähriger Erfahrungen von der Erwägung aus, dass man den Vogel Strauss ganz wohl bei vorsichtiger und verständnisvoller Pflege an unser Klima gewöhnen könnte und dass dieser sich mit der Zeit selbst durch ein dichteres und somit wertvolleres Fedcrklcid diesem anpassen würde. Das klingt ganz einleuchtend, und die Vorversuchc scheinen Herrn Hagenbeck recht zu geben. Im letzten Winter waren seine sämtlichen Vögel täglich im Freien, auch als das Thermometer 18 Grad Celsius zeigte. Und aller erfreuten sich bester Gesundheit, kein einziges Exemplar ging durch Kälte zu Grunde.

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Kolonie und Heimat