Autor: <span class="vcard">Kolonialverwalter</span>

aus dem Kunstmuseum Hamburg


Mancher Leser wird darüber lächeln, wenn wir ihm erzählen, dass es jetzt in Deutschland eine Straussenfarm gibt, so gut wie in Afrika. Aber sie lässt sich nicht wegleugnen. Mittelbar kann man sie wohl als eine Frucht unsrer kolonialen Bewegung bezeichnen. die seit einigen Jahren erst die wirtschaftliche Seite, die Nutzbarmachung der mannigfachen natürlichen Werte, mehr betont Und da auch die Straussenherden, die in den afrikanischen Kolonien die weiten Steppen beleben oder vielmehr belebten, zu diesen Werten gehören, so sprach man in letzter Zeit viel von der rationellen Straussenzucht. Einerseits in der wägung, dass die Jagd trotz aller bote schliesslich mit den eigenartigen und wertvollen Tieren aufräumt würde, anderseits, dass sich durch rationelle Hochzucht die Produktion und der Wert der Federn steige liesse. „Das kann ich auch“, dachte wohl Herr Hagenbeck in Hamburg. Wer kennt nicht Herrn Hagenbeck, der vor Zeiten mit seinen fremd ländischen Tieren die Welt bereiste dessen Name schon bei uns als Kindern einen guten Klang hatte. Also Herr Hagenbeck, der sich mittlerweile auf rationelle Zucht und Tierfang im grossen geworfen hat und dessen Tierpark in Stellingen bei Hamburg eine Sehenswürdigkeit ersten Ranges bildet, richtete vor einem halben Jahr eine Straussenfarm ein. Er ging auf Grund langjähriger Erfahrungen von der Erwägung aus, dass man den Vogel Strauss ganz wohl bei vorsichtiger und verständnisvoller Pflege an unser Klima gewöhnen könnte und dass dieser sich mit der Zeit selbst durch ein dichteres und somit wertvolleres Fedcrklcid diesem anpassen würde. Das klingt ganz einleuchtend, und die Vorversuchc scheinen Herrn Hagenbeck recht zu geben. Im letzten Winter waren seine sämtlichen Vögel täglich im Freien, auch als das Thermometer 18 Grad Celsius zeigte. Und aller erfreuten sich bester Gesundheit, kein einziges Exemplar ging durch Kälte zu Grunde.

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Kolonie und Heimat