Eine Höhensternwarte für die Kolonien

aus dem Kunstmuseum Hamburg.

Von Dr. Archenhold, Direktor der Treptow-Sternwarte.

Als die ersten Wikinger ihre kühnen Seefahrten unternahmen, als Vasco da Gama die afrikanischen Küsten auf seinem Wege nach Indien anlief, oder Columbus nach Westen steuerte, immer waren es die Sterne, die, sobald die Küste nicht mehr in Sicht war, ihnen den Weg über den Ozean wiesen.

Selbst heute noch verlässt kein Kapitän den Hafen, trotz Wellentelegraphie und der allervollkommensten nautischen Instrumente, ohne die vorausberechneten und in den astronomischen Jahrbüchern niedergelegten Orte der Gestirne mit sich zu führen. So steht die Astronomie bei allen seefahrenden Nationen in besonderem Ansehen und kein Staat kann sich auf die Dauer der hohen Aufgabe entziehen, die Arbeiten der Astronomen zu unterstützen. Es gilt nicht allein, die Pioniere auszubilden, welche in fernen Landen wirken und bei ihren kartographischen Arbeiten astronomischer Ortsbestimmungen bedürfen, sondern auch die Kenntnisse in unserem Planetensystem sowohl wie in den fernsten Weltsystemen zu erweitern, um die Theorie in der Bezwingung und Vorausberechnung der Bewegungen der Himmelskörper immer von neuem zu prüfen, zu verliefen und in bezug aut ihre äussersten Feinheiten zu vervollkommnen. Ist doch das alte Rätsel noch ungelöst, wie die Anziehungskratt von Himmelskörper zu Himmelskörper wirkt. Bei einem Besuche der Treptow-Sternwarte bei Berlin, die in ihrem neuen Gewände in unsrer Abbildung uns entgegentritt, finden wir in einer historischen Sammlung einige der Hilfsinstrumente, welche von den Kapitänen bei ihren Ortsbestimmungen zur See verwandt werden.

In den zahlreichen offentlichen Vorträgen, welche im grossen Hörsaal der Treptow-Sternwarte abgehalten werden, erfahren wir von den neuesten Entdeckungen auf den verschiedensten Gebieten der Astronomie und den letzten Fortschritten der Physik. Meteorsteine, welche beredtes Zeugnis ablegen von der Einheit der Materie, die zum Aufbau der verschiedenen Weltsysteme allerorten verwandt worden ist, finden sich im „Astronomischen Museum“ in Treptow, in interessanten Exemplaren der Hauptgruppen, den Eisen-, den Mineral-und glasartigen Stücken vor. Das grosse Fernrohr zeigt den Besuchern bei klarem Wetter an den verschiedensten Stellen des Himmels gewaltige Vereinigungen dieser mannigfaltigen Materie von ihrem Urzustände, den leuchtenden Gasnebeln hindurch durch ihre verschiedenen Entwicklungsstadien, den weissen, gelben und roten Sternen bis zu den schon dunklen Gebilden, welche, soweit sie Mitglieder unseres Planetensystems sind, nur im geborgten Lichte unserer Sonne scheinen, oder wenn sie in den fernsten Himmelsräumen ihre Bahn beschreiben, sich nur dadurch verraten, dass sie helleuchtende Gestirne auf kurze Zeit verdunkeln, indem sie sich zwischen diese und unser Auge schieben.

Durch eine neue Idee, welche ich bei der Erbauung des Treptower Fernrohrs im Jahre 1896 zur Duchführung brachte, wurde es möglich, unserem Fernrohr eine Länge von 21 Metern zu geben und trotzdem die Kosten der ganzen Anlage auf 250 000 Mark herabzudrücken Während der dem Bau der anderen grossen Fernrohre eine gewaltige Kuppel nötig war, die aber das Fernrohr nur schützte, wenn gerade nicht mit diesem beobachtet wurde, und Bewegungsvorrichtungen, um den Beobachter dem sich um seinen Mittelpunkt drehenden Fernrohr nachzuführen, ist bei unserem Fernrohr der Kuppelbau durch einen Schutzzylinder, der unmittelbar um das Fernrohr, aber ohne es zu berühren, herumliegt, sowie durch einen beweglichen Schutzwagen ersitzt worden, und die ganzen Bewegunrsvorrichtungcn für den Beobachter sind unnötig geworden dadurch, dass das Fernrohr um sein Augenende gedreht wird, mit anderen Worten dadurch, dass der Sehpunkt, der Schwerpunkt und der Drehpunkt hier zusammenfallen.

Obgleich unsere Sternwarte in unmittelbarer Nähe einer Grossstadt liegt, hat sie dadurch, dass sie mitten im Treptower Park und im Südosten von Berlin gelegen ist, den besonderen Vorzug, dass bei den herrschenden Winden an allen Tagen, an denen es klar ist, die Luft von der Heide ihr zugeführt wird. So könnten mancherlei Aufgaben der Wissenschaft bei uns gelöst werden, wenn wir gleich den amerikanischen Fernrohren mit den nötigen Hifsapaaraten ausgerüstet wären. Das, was die zahlreichen Beobachter mit dem grossen Fernrohr zu sehen bekommen, die feinsten Einzelheiten auf dem Monde und den Planeten, die Trennung der engsten Doppelsterne, die Auflösung der kleinsten Sternhaufen, lassen noch grosse Arbeiten für die Zukunft erwarten.

Es hat sich aber allmählich die Notwendigkeit herausgestellt, für manche Zwecke der Wissenschaft Observatorien in grossen Höhen zu errichten. Welche Bedeutung solchen Höhenobservatorien von unseren Nachbarländern beigelegt wird, zeigt die unter grossen Schwierigkeiten erfolgte Errichtung eines astronomischen Observatoriums auf dem Gipfel des Aetna 3000 Meter hoch durch Ricco und die noch schwierigere Errichtung zweier Observatorien auf den Gipfeln des Montblanc durch Vallot (4300 Meter) und aussen (4800 Meter). Letzterer war so von der Vichtigkeit eines Höhenobservatoriums durchdrungen, dass er sich selbst nicht scheute, das Montblane-Observatorium in den Firnschnee zu setzen, der auf dem höchsten Gipfel des Montblane jahraus jahrein liegt.

Wir besitzen in unseren Kolonien zwei Bergesgipfel, welche dank ihrer Lage in uer Nähe des Aequators in Höhen über 4000 Meter noch felsigen und fast während des ganzen Jahres schneefreien festen Grund zur Errichtung einer Sternwarte darbieten, den Kilimandjaro in Ostafrika und den Kamerunberg in Westafrika. Letzterer ist jedoch nicht besonders geeignet, da er in letzter Zeit durch eine erneute vulkanische Tätigkeit starken Schwankungen ausgesetzt ist. Der Kilimandjaro bietet zwischen seinen höchsten Spitzen, dem Kibo und Mawensi, in einer Höhe von 4500 Meter eine noch unterhalb der Schneegrenze liegende Bergpartie dar, welche, wenn auch sicherlich nicht zu allen Tageszeiten, so doch besonders in den Nächten günstige Beobachtungsgelegenheit darbietet.

Selbst für den Fall, dass nicht mehr klare Nächte dort während eines Jahres auftreten als in unseren Gegenden, sollten weder Mühe noch Geldopfer gescheut werden, um erstens von der grossen, lichtdurchlässigen Höhe und zweitens von der günstigen äquatorealen Lage dieses Berges Nutzen für die Wissenschaft zu ziehen. Nicht nur astronomische Fragen, sondern auch meteorologische, erdmagnetische und andere wichtige Forschungen würden sich auf einem solchen Punkte einer Lösung entgegenführen lassen.

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