Ostafrikanische Küstenbilder: Korallenriffe vor Daressalam

aus dem Kunstmuseum Hamburg.

Wenn gegen die Jahreswende der Nordostmonsun über den Wogen des Indischen Ozeans, längs der ostatrikanischen Küste, wütet und heulend das Meer aufpeitscht, dass sich die Wasser donnernd an den Korallenriffen und Felswänden brechen, dann sinkt wieder so mancher Felsblock zermürbt ins Meer hinab, zerbröckelt und zerstückelt, ein Spiel der Wellen. Jahrtausende haben fleissige Korallentierchen ihre kalkigen Gerüste hier aufgebaut, bis das weit zurücktretende Meer ihre Tätigkeit eines Tages zum Stillstand brachte. Dann kamen die Wogen und Wellen und schleuderten im ewigen Naturkampfe ihre Wasser gegen die toten Korallenfelsen und siehe, das feste Gefüge wurde rissig und unaufhaltsam begann und vollendete die Natur ihr Zerstörungswerk. Das Wasser in Verbindung mit dem Sauerstoff der Luft zerfrass die Korallenwände, und Höhlen und Nischen entstanden. ln den Nischen bildeten sich Erdnester. Angeschwemmte Samen von Kasuarinen und Schlinggewächsen keimten und sprossten und durch welkendes Laub bildete sich neuer Humus, in dem neue Samen einen Nährboden fanden. Zur Kasuarine gesellten sich Dumpalmen und Fikusarten, deren Zweige und Wurzeln in den Spalten der Korallenfelsen hafteten. Eine angeschwemmte Kokosnuss folgte, und wo früher das Meer rauschte, entstand pflanzliches Leben. Hoch oben, wohin die Wogen nicht mehr reichten, bildete sich eine üppige Vegetation, ein Buschwald, der aus dem verwitternden Kalkgestein Kraft und Nahrung sog.

So zieht sich dieser Korallenfels längs der ganzen ostafrikanischen Küste hin und verleiht ihr ein ganz bestimmtes Gepräge, teils steil abfallender Felspartien, teils wild zerrissener und zerklüfteter Schluchten. Wo die wenigen Süsswasserflüsse sich in mehr breiter als tiefer Mündung ins Meer ergiessen, ist das Land flach, sandig, und breite, vorgelagerte Sandbänke hindern die Schiffahrt. Wo aber das Meer, durch einen Einbruch in das Land, Creeks, Buchten und Häfen bildete, da zerrissen im wilden Kampf die Flutwellen, die ihre mächtigen Wogen und gewaltigen Wasser auf das Gestein warfen, die Felsen. Es lösten sich Riesenblöcke, die sich inselartig vom Festlande trennten und in grotesken Formen emporragen, wenn bei Ebbe das Meer zurücktritt. Was mürbe geworden, holt die nächste Sturmflut, und in Atome zertrümmert verschwindet das Fclsengebilde im Meer. Die fester mit dem Boden verwachsenen Korallenfelsen dagegen schwemmen Sand an und bilden einsame Inseln, die bei tieler Ebbe wie grosse Filze und Blumenkörbe emporzuwachsen scheinen. Bei Flut tauchen sie zurück in die Wasser und sind mit ihren nusgefressenen, messerscharfen Rändern eine grosse Gefahr für die Schiffahrt. Das porös gewordene Gestein ist ein Lieblingsaufenthaltsort für Schaltiere, Einsiedler-Krebse, Austern. In den tiefen Wasserbecken um die Koralleninsel hausen Holothurien, Seesterne, Seerosen und Muscheltiere, eingebettet in Seetang und weichen Sand. An den Rändern der Buchten, Meeresarme und Creeks, geschützt vor der Strömung, fasste die Mangrove Wurzel. Ihre Luft-und Stützwurzeln hielten den Sand fest und es entwickelten sich die dichten, immergrünen Waldungen, welche die meisten Häfen einsäumen und einen Schlupfwinkel für Wasservögel, Hundsalfen und anderes Getier bilden. Auch draussen auf den Koralleninseln tummeln sich unzählige Wasservögel, wie Reiher, Regenpfeifer, Schnepfen, gute Braten für die Europäerküche, weshalb die einsamen Inseln als beliebte Ausflugsorte gelten.

Manche dieser Inseln weisen auch Gräber auf, wo vorüberfahrende Schiffe ihre Toten zur ewigen Ruhe bestattet haben. Meist liegen diese Eiländer still, einsam und verlassen. Nur vorüberfahrende Fischer machen gelegentlich Rast, oder es kommen die Steinschläger, Steine zu brechen zum Hausbau oder Kalkbrand, denn der Korallenfels liefert ein vorzügliches Baumaterial.

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